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#vanlife – Unser Zuhause auf vier Rädern

Er heißt Emil, ist acht Jahre alt und unser großer Liebling. Emil ist ein VW T5 und jetzt seit bald einem Jahr bei uns. Letztes Jahr waren wir schon einige Male mit Emil unterwegs aber noch so ziemlich mit der allernötigsten Grundausstattung. Damit sollte dieses Jahr Schluss sein und wir starteten das Projekt Ausbau. Knapp zwei Monate und zahlreiche Arbeitsstunden später sind wir jetzt mit Emil in Frankreich unterwegs. Und was soll ich sagen, er ist einfach wunderschön geworden 🙂

Die Eckdaten

Emil ist wie gesagt ein VW T5 als Transporter Kombi und Baujahr 2011. Er hat zwei Schiebetüren also auf jeder Seite einen Ein-/Ausgang, einen langen Radstand und insgesamt neun Sitze. Wir haben ihn gebraucht gekauft, der Vorbesitzer hatte schon ein paar Dinge gemacht gehabt. Zum Beispiel war hinten ein Gestell und die Bretter für das Bett drin und LED Lichter und Lautsprecher verlegt. Das war’s dann aber auch schon. Als Boden lagen schwarze Gummimatten drin und insgesamt war alles eher etwas ungemütlich.

Los ging unser Projekt mit der Planung: Was wollen wir überhaupt? Auf jeden Fall anderen Boden, und die Decke sieht auch nicht so richtig toll aus. Einen Schrank mit jeder Menge Stauraum, einen Auszug für den Kofferraum und einen Schrank hinten am Bett. Schubladen unter der Sitzbank. Vielleicht noch was zum Hinsitzen, wenn das Bett gemacht ist und einen Kocher, den man seitlich ausziehen kann, um mal schnell einen Kaffee oder ein paar Nudeln zu machen, wenn nicht so viel Platz ist oder man nur auf der Durchreise ist.

Ich bin eigentlich in einem VW Bus aufgewachsen. Mit meiner Familie waren wir im Sommer immer mit dem Bus unterwegs und die letzten Jahre bin ich mit meinem Freund viel Campen gewesen. Somit wussten wir schon ungefähr, was wir alles brauchen und wollen. Wirklich hilfreich bei der Planung waren allerdings tatsächlich Blogs, Pinterest und Instagram. Unmengen an Inspiration, ein Bus schöner als der andere und viele praktische Features, die man sich abschauen kann. Wer also überlegt, einen Bus auszubauen, sollte auf jeden Fall mal ein bisschen durch die Seiten stöbern. Hier ein paar Inspirationsquellen:

So viel wunderschöne Inspiration.

Der Boden

Zu Beginn hieß es erst einmal: alles raus machen, was geht. Die beiden Sitzbänke, das Bettgestell, Teile der Seitenverkleidungen. Für den Boden wollten wir gerne eine dunkle Holzoptik, das sieht gemütlich aus und man sieht auch nicht jedes Staubkorn. Tatsächlich dunkles Holz oder Laminat zu nehmen hat aber zwei Nachteile, es ist erstens sehr teuer und zweitens sehr schwer – und viel Gewicht bedeutet auch viel Spritverbrauch, also nicht so gut. Die Lösung: Eine sehr leichte Pappelholzplatte und PVC-Boden in der passenden Optik drüber kleben. Wenig Gewicht, sieht super aus und ist robust.

Wir haben uns dazu entschieden, den Gummiboden drin zu lassen und das Holz darauf zu befestigen. Erstens wäre es ziemlich aufwendig, den Boden raus zu machen, er trägt zur Isolierung bei und wir hätten dickeres Holz nehmen müssen, um bis über die Befestigungen der hinteren Sitzbank zu kommen (die bleibt drin, so können wir im Alltag mehr Personen mitnehmen und man kann sie ganz einfach klappen, und hat dann ein Bett).


Ganz schön leer so.

Schritt eins beim Boden bestand also darin, die Pappelholzplatte zuzusägen. Leichter gesagt als getan. So ein Boden im Bus hat ganz schön viele Aussparungen, Kanten, Einkerbungen etc. Um nicht gleich am offenen Herzen zu operieren haben wir also eine überdimensionale Schablone gebaut. Zwei große Kartons, diese am Rand genau ausgeschnitten und die Aussparungen für die Sitzbefestigungen eingezeichnet. Dann auf die Holzplatte übertragen und sägen bzw fräsen. Allein der Boden hat uns ca zwei volle Tage gekostet. Nach dem ersten Mal zusägen mussten wir noch an der ein oder anderen Stelle nachbessern, damit alles optimal passt. Lieber erst mal zu wenig aussparen und dann nochmal nacharbeiten. Falls irgendwo dann noch mal ein kleiner Spalt zu viel sein sollte könnt ihr das aber später noch mit dem PVC etwas ausgleichen. Das ist dann auch der nächste Schritt. Ich muss sagen, vom verlegen des PVC war ich echt begeistert. Super easy zu schneiden und wir haben ihn einfach mit starkem doppelseitigen Klebeband auf die Holzplatte geklebt. Die ganze PVC-Rolle reinlegen und direkt auf dem Holz zuschneiden. Aufpassen, dass sich keine Wellen bilden und er überall gut aufliegt.

Die ganze Bodenplatte haben wir dann an den Verzurrösen festgeschraubt, die sowieso schon im Boden des Transporters drin sind. Fertig! Sieht schon gleich ganz anders aus und auch wenn man später zwischen Schrank und Sitzbank gar nicht so sehr viel vom Boden sieht, es macht finde ich richtig viel aus. Im Kofferraum haben wir übrigens keinen Boden reingemacht, die Platte endet unter der Sitzbank.

Kosten:

  • Pappelholz für Bodenplatte: ca 100€ (wir mussten eine größere Platte nehmen und hatten dann noch übrig, was wir für Möbel verwenden konnten)
  • PVC: Ca 60€ (auch hier mussten wir mehr nehmen als wir gebraucht hätten aber können jetzt wenn irgendwas kaputt geht nochmal neu reinkleben)
Fertig ist unser schöner Holzboden 😉

Der Schrank

Die meisten Campingbusse und auch größere Wohnmobile haben einen seitlichen Schrank für Küchenzubehör. Das kam so für uns nicht in Frage, da wir zwei Schiebetüren haben und uns keine davon verbauen wollten. Die sind nämlich wirklich super praktisch. Man kommt von überall gut hin, kann parken wie rum man möchte und super ein und ausladen. Also bleibt nur ein Schrank quer hinter die Vordersitze. Im Bus kochen wollen wir eigentlich auch nicht, also brauchen wir auch keine fest installierte Kochplatte im Schrank. Für uns muss hier einfach jede Menge Stauraum für Teller, Besteck, Töpfe, Essen und was man sonst so braucht sein.

Also: Ausmessen, Schrank zusammenbauen, rein stellen, fertig – oder? Ja ok, ganz so einfach dann auch wieder nicht. Hier hatten wir wirklich Glück und haben sehr viel Unterstützung von Simons Papa bekommen, der sich in Sachen Schreinern top auskennt und auch das nötige Werkzeug hat. Aus meiner groben Idee vom schönen weißen Schränkchen mit dunkler Arbeitsfläche wurde also Stück für Stück Wirklichkeit. Und für alle die jetzt sagen: Weiß?? In einen Bus? Das wird doch sofort dreckig! Nein wird es nicht und es sieht einfach wundervoll aus. Ein dunkler Schrank zum dunklen Boden, das wäre schon sehr düster geworden. Und wenn’s doch mal dreckig wird dann streiche ich eben nochmal drüber 😉 Wir haben weißen Außenlack genommen, da kann man auch ein bisschen feucht drüber wischen bei kleineren Flecken.

Die Fronten werden weiß.

Um den Raum optimal zu nutzen, ist der Schrank an die Sitze angepasst und somit unten breiter als oben. Die Aufteilung der Fächer war eher intuitv, funktioniert aber für die Dinge, die wir reinstellen bisher super. Wichtig war uns eine Schublade für Besteck und kleinere Gegenstände. Die Schublade sollte in irgendeiner Weise verriegelbar sein, also nicht zu leicht aufgehen, das ist auf der Fahrt sonst blöd. Wir haben uns für ein System entschieden, bei dem man die Schublade einmal drücken muss, damit sie aufgeht. Druckknöpfe gehen natürlich auch aber die finde ich sooo hässlich 😀 Für die Schranktüren haben wir ganz normale Scharniere verwendet, die sind stark genug, so sehr kann Emil nicht beschleunigen, dass die Türen während der Fahrt aufgehen. Im Schrank haben wir rutschfeste Matten auf die Regalbretter gelegt, damit nicht in jeder Kurve der komplette Inhalt von rechts nach links rutscht. Das ist auch super viel wert. Befestigt haben wir den Schrank mit Schrauben in die Bodenplatte.

Damit aber noch nicht genug: Rechts neben dem Schrank haben wir eine kleine Kiste gebaut. Perfekt als zusätzlicher Stauraum für Essen, Klamotten oder Sonstiges und man auch auf prima drauf Sitzen. Wenn es mal regnet oder einfach nur zum Schuhe anziehen. Die Kiste ist mit zwei Flügelschrauben an den Schrank geschraubt, also nicht mit dem Boden verbunden. So kann man sie bei Bedarf einfach weg schrauben und raus nehmen und zB die Kühlbox rein stellen.

Hinter den Schrank haben wir eine Schiene eingezogen, so dass gerade so ein kleiner Campingtisch reinpasst. So ist der aufgeräumt, nimmt keinen Platz weg und klappert auch nicht. Und man kann ihn ganz reinfach rausziehen oder reinschieben.

Links am Schrank kommt meine Lieblingskonstruktion: Ein Klapptisch. It’s as simple as that. Hochklappen, mit einer Klappkonsole arretieren, Kocher drauf und Kaffee machen. In der Regel kochen wir mit einem größeren Kocher/Grill weg vom Auto aber wenn’s mal schnell gehen muss oder man blöd steht ist diese Tischfunktion wirklich genial. Wir haben sie jetzt schon ein paar Mal genutzt und ich möchte sie nicht missen. Oberhalb dieses Klapptischs sollen noch kleine Boxen für Gewürze dran kommen, das haben wir allerdings jetzt vor dem Urlaub nicht mehr geschafft. Das kommt dann vor dem Sommer auf jeden Fall noch.

Kosten:

  • Akazienholzplatte für dunkle Partien: Ca 80€
  • Weißes Sperrholz für Außenwände: Bestellt auf Maß ca 100€
  • Dachlatte für Korpus: Ca 5€
  • Buchenholz für die Fronten: Ca 30€
  • Weißer Außenlack: 15€
Ziemlich praktisch so ein Klapptisch 😉

Die Decke

Erst unten dann oben. Nachdem wir den Boden fertig hatten und den Schrank drin, haben wir erst mal die Decke runtergeholt. Bisher waren das drei Holzplatten mit einem Stoff überzogen. Diesen Stoff kenne ich von vielen Campingbussen und finde ihn furchtbar. Wird er nass, bilden sich Ränder, er sieht immer schmuddelig aus und hat sich an einigen Stellen auch schon gelöst. Wir haben also den Stoff von den Holzplatten gezogen, die Klebereste weggekratzt und das Holz mit einer Möbelfolie neu bezogen. Das Beziehen ging super, die Folie hält prima und man kann sie leicht schneiden. Ein bisschen aufwendig waren die Aussparungen für Lautsprecher, Lüftungsdüsen und Licht aber auch das geht gut. Ich bin gespannt, wie lange die Folie hält und ob sie sich zB bei großer Hitze oder Temperaturschwankungen irgendwann löst aber bisher bin ich wirklich zufrieden. Sieht super aus und war auch eine günstige Variante.

Kosten:

  • Möbeldekorfolie: Ca 30€

Bettgestell

Da wir Emil auch im Alltag verwenden, um zB. mit Freunden wegzufahren oder mal jemanden mitzunehmen, wollten wir kein dauerhaft festes Bett, sondern nach wie vor die Sitzbank nutzen können. Daher besteht unser Bett eigentlich aus drei Teilen. Die Sitzbank kann geklappt werden und bildet den vorderen Teil. Die Sitzbank ist hinten mit einem Holzbrett verstärkt und damit das Bett am Ende auch lang genug ist, ist hier ein klappbares Brett festgeschraubt, was man dann umlegen kann. Hinten haben wir ein Stahlgestell, welches unten in den Verzurrösen befestigt ist. Auf diesem Stahlgestell liegen zwei Bretter, die den hinteren Teil des Bettes bilden. Die Bretter kann man rausnehmen, wenn man mal was Größeres transportieren möchte aber eigentlich sind sie bei uns immer drin. Oben drauf kommen zwei klappbare Matratzen und fertig ist das Bett. Wir haben das Stahlgestell nochmal neu gemacht, da wir unten in den Kofferraum einen Auszug eingebaut haben, der Rest war so schon drin, als wir Emil gekauft haben und bisher haben wir auch noch nicht mehr geändert. Wir sind am überlegen, neben dem Bett noch einen Schrank einzubauen, gegen das Fenster aber sind uns da noch unschlüssig, ob wir uns nicht zu viel Bettfläche wegnehmen (aktuell haben wir eine Breite von 1,60m und das ist schon ganz angenehm, auch wenn wir gerne kuscheln ;))

Kosten:

  • Vierkant-Stahlrohr: Ca 70€

Der Auszug

Wer schon mal mit einem Camper ohne Kofferraumauszug unterwegs war weiß, wie mühselig es ist, wenn man Dinge braucht, die weit hinten im Kofferraum liegen. Man krabbelt halb ins Auto rein, sieht nicht richtig hin, bleibt hängen und irgendwie ist ständig alles durcheinander. Also sollte ein Auszug her. Einfaches Prinzip: Man hat quasi eine riesige Schublade, die man hinten aus dem Auto raus ziehen kann und kommt so bequem überall ran.

Schwerlastauszüge kann man kaufen, sind nicht ganz günstig je nach Länge aber es lohnt sich. Diese haben wir an den Stahlrahmen des Bettgestells befestigt und eine Siebdruckplatte (wasserfest und sehr stabil) dazwischen geschraubt. Sie ist quasi der Schubladenboden. Rings um die Platte ist ein ca 5cm hoher Rahmen aus Aluwinkeln, damit nichts herunterrutschen kann. Wichtig bei den Auszügen: Welche mit Verriegelung nehmen. Die Schublade soll zB. beim Fahren nicht rutschen oder wenn man am Berg steht und die Heckklappe öffnet nicht automatisch ausfahren.

Kosten:

  • Schwerlastauszüge: 100€
  • Siebruckplatte: 60€
  • Aluwinkel: 20€
Auf dem Auszug ist unsere Kühlbox, ein Wasserkanister, die Gasflasche, Stühle und jede Menge Kram.

Vorhänge und Deko

Mein Lieblingsteil: Jetzt wird’s gemütlich. Für die Vorhänge haben wir dünne Vorhangleisten teilweise verschraubt, teilweise mit starkem Klebeband ans Auto geklebt. An den hinteren Fenstern je oben und unten eine Schiene und an den Türen, der Heckklappe und nach vorne zu den Sitzen nur oben mit hängenden Vorhängen. Es gibt extra dunklen Vorhangstoff, der wirklich stark abdunkelt aber ich habe mich für Baumwollstoff entschieden, da ich ihn schöner finde. Dunkelt zwar nicht ganz so stark ab, ist aber auch ausreichend und irgendwo ist sowieso immer ein Spalt, wo Licht reinkommt. Einfaches Prinzip: Beim Campen wird aufgestanden, wenn es hell wird 😀

Um die hängenden Vorhänge aufzuräumen haben wir Lederbänder mit Druckknöpfen in der Decke befestigt, da kann der Vorhang eingerollt und festgemacht werden. Außerdem haben wir einige kleine Magnete überall im Auto verteilt, da kann man wenn doch mal irgendwo ein störender Spalt ist den Vorhang ans Auto „kleben“.

Der Vorhang an der Heckklappe ist etwas länger, da wir im Sommer gerne mal bei offener Heckklappe schlafen. Unten ist außerdem ein Bleiband eingenäht, damit er bei Wind nicht sofort wegflattert.

In jeden VW Bus gehören außerdem eine Lichterkette und ein paar schöne Kissen und fertig ist unser gemütliches Zuhause auf vier Rädern.

Kosten:

  • Stoff für die Vorhänge: Ca 60€
Vorhänge und Lichterkette sorgen für die Extraportion Gemütlichkeit.

Noch Fragen?

Seid ihr auch gerade dabei, einen Bus auszubauen? Oder habt es vielleicht schon hinter euch und noch ein paar gute Tipps auf Lager? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Wie ihr vielleicht schon vermutet habt, habe ich nicht unbedingt das ganze technische Know-How 😉 Simon hat hier eigentlich das meiste gemacht und ich habe jetzt versucht, es so gut es geht zu beschreiben. Wenn euch irgendwas unklar ist oder ihr Fragen habt, wie wir die Sachen wirklich genau gebaut haben, fragt gerne! Uns haben Blogs beim Ausbauen sehr geholfen und wenn ich hier auch anderen Campern helfen kann, immer gerne.

Unsere neusten Abenteuer mit Emil findet ihr auch immer auf Instagram unter dem Hashtag #emilonadventures.

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