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Zwei Hotspots in der Normandie und wie ihr die Massen umgeht

Weiße Felsen ragen in den Himmel, unten das blau schimmernde Meer, oben saftig grüne Wiesen. Nur ein paar Stunden weiter: Sand und Wasser neben wiegenden, Gold schimmernden Grashalmen und in der Ferne eine Stadt wie aus einem Film. Kreisrund und oben spitz zulaufende Türme, eine Kirche thront über allem. Die Rede ist von zwei der schönsten Orte Frankreichs: Die Alabasterfelsen von Étretat und die Stadt Mont-Saint-Michel. Beides auf jeden Fall eine Reise wert und mit ein paar Tricks könnt ihr diese wundervollen Orte auch in der Hochsaison (fast) ganz für euch haben.

Falaises d’Étretat

Der erste Stop unserer Rundreise durch die Normandie und Bretagne ist gleich ein echtes Highlight. Die weißen Klippen an der Nordküste Frankreichs sind wirklich beeindruckend und man kann wundervoll die Küste entlang wandern. Entweder hoch oben über dem Wasser oder bei Ebbe auch unten am Strand mit der Steilwand neben sich.

Die Stadt Étretat selbst ist zwar ganz nett aber für meinen Geschmack viel zu touristisch. Hier drängen sich die Menschenmengen durch die kleinen Gassen und an der Promenade entlang. Der Blick von der Promenade ist aber auf jeden Fall lohnenswert und hier kann man auch gut verschiedene Wanderungen starten.

Wer es ruhiger mag, sollte in den frühen Morgenstunden oder später am Abend vorbeischauen. Wir sind immer erst gegen 19:30 los und da es im Sommer hier bis 23:00 hell ist, hat man immer noch genug Zeit, die Gegend zu erkunden und wird mit etwas Glück noch mit einem tollen Sonnenuntergang beschenkt. Richtet man den Blick von der Promenade nach links, sieht man die wohl bekannteste Felsformation – ein Torbogen und daneben ein freistehender Fels im Wasser. Folgt man dem Pfad am Ende der Promenade bergauf kommt man zu einem Aussichtspunkt und kann oben die Felsen entlang bis zum Leuchtturm Phare d’Antifer laufen. Ein toller Weg und je weiter man sich von der Stadt entfernt, umso leerer wird es.

Bei Ebbe empfehle ich euch aber auf jeden Fall, unten am Strand entlangzulaufen. Durch einen Tunnel kommt man vom Strand bei Etretat zum nächsten Strand und auch an dessen Ende kann man wieder durch einen Felsvorsprung hindurch und so weiter. Manchmal muss man den Weg durch die Felsen etwas suchen, oder eine Leiter hinauf oder hinunter aber man kommt recht weit und wird mit teilweise menschenleeren Buchten belohnt. Schon nach dem zweiten Strand begegneten wir nur noch vereinzelt anderen Wanderern. Wer diesen Weg geht sollte nur unbedingt den Gezeitenplan lesen und darauf achten, wann das Wasser zurückkommt. Die Durchgänge durch die Felsen sind oft nur bei Ebbe begehbar. Wer zu spät dran ist muss im Zweifel mehrere Stunden warten, bis das Wasser wieder geht. Ihr könnt entweder am Strand entlang wieder zurück oder fast beim Leuchtturm gibt es einen Weg vom Strand wieder die Klippen hinauf und man kann oben entlang zurückkehren.

Mont-Saint-Michel

Als ich das erste Mal Bilder von Mont-Saint-Michel sah, konnte ich gar nicht glauben, dass ein solcher Ort tatsächlich real ist. Es sah mehr nach einer von Filmemachern digital erbauten Stadt aus. Und dann war sie auch noch perfekt auf unserer Route gelegen. Ein Zwischenstopp musste also auf jeden Fall sein, auch wenn ich schon vorher gehört hatte, dass es hoffnungslos überfüllt ist.

Und als wir uns der Stadt näherten zeichnete sich schon das Bild des perfekten Touri-Hotspots ab. Reisebusse transportierten Unmengen an Menschen mit Kameras heran, riesige Parkplätze in der Nähe alle randvoll. Das konnte ja heiter werden. Der kleine Ort, von dem aus man zum Mont-Saint-Michel startet ist durch eine Schranke abgegrenzt und besteht eigentlich nur aus Hotels und einem Campingplatz. Ohne Reservierung kommt man hier nicht weiter. Wir reservierten jedoch kurzerhand einen Platz auf dem Campingplatz. Da viele hier nur einen oder zwei Tage bleiben, gibt es auch in der Hauptsaison eigentlich immer einen freien Platz. Der Campingplatz an sich ist ganz ok, zumindest hat man hier nicht das Gefühl mitten zwischen den Massen zu sein und als Ausgangspunkt ist der perfekt.

Auch für den Mont-Saint-Michel gilt, die Hauptzeiten zu meiden und am besten früh am Morgen oder abends vorbeizuschauen. Ist sowieso viel besser, denn da ist das Licht zum Fotografieren optimal. Um die Stadt von Innen zu besichtigen, sind wir um 7:30 morgens losgelaufen und vom Campingplatz zum Steg, der in die Stadt führt sind es nur ein paar Minuten. Die Stimmung am Morgen ist toll, es sind fast keine Menschen unterwegs und wir können Bilder mit leerem Steg und der Stadt im Hintergrund machen. Die Wiesen sind in zartes Licht getaucht und teilweise hängt noch etwas Nebel über dem Gras. Auch in der Stadt sind kaum Touristen unterwegs. Ein paar Einheimische beliefern die Restaurants mit Lebensmitteln für den Tag.

Die Gassen der Stadt laden wirklich ein, sie zu erkunden. Klein und verwinkelt mit schnuckeligen Steinhäuschen dicht an dicht gebaut. Auch ein Rundgang auf der Stadtmauer ist Pflicht, mit tollem Blick über das Watt. Wir genießen die Ruhe, verspeisen unser mitgebrachtes Frühstück in Gesellschaft zweier Möwen und beobachten, wie die Stadt zum Leben erwacht. Die ersten Shuttle-Busse bringen Touristengruppen an und die Straßen werden voller. Um 9:00 öffnet die Kathedrale und spätestens jetzt ist man nicht mehr alleine. Obwohl wir direkt zum Ticketschalter gehen, hat sich schon eine kleine Schlange gebildet. Die Besichtigung kostet 10€ und ist das Geld auf jeden Fall wert. Es ist wirklich beeindruckend, was für ein Gebäude hier auf den kleinen Berg gebaut wurde. Riesige Hallen, die Kirche mit dem auf dem Turm thronenden Erzengel, nach dem die Stadt benannt ist und ein schön angelegter Garten.

Als wir uns nach der Besichtigung der Kathedrale auf den Rückweg machen, sind wir froh gehen zu können. Denn jetzt wird es voll. Menschentrauben plündern die kleinen Souvenir-Läden, machen Selfies auf der Brücke und pilgern durch das Watt. Nichts wie weg hier.

Den Tag verbringen wir mit einem Nickerchen im Schatten, einem guten Buch und leckerem Essen. Erst als gegen 20:00 das Licht beginnt golden zu werden, machen wir uns wieder auf den Weg. Dieses Mal ist jedoch nicht die Stadt selbst das Ziel, sondern wir machen es uns mit einer Picknickdecke und einer Flasche Wein ein gutes Stück entfernt im flachen Gras, kurz vor Beginn des Watts, gemütlich. Außer ein paar vereinzelten Fotografen ist hier niemand. In der Ferne sehen wir, ein paar Menschen auf dem Steg zur Stadt aber bei weitem nicht mehr so viele, wie am Mittag. Als perfekte Krönung werden wir mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt und können gar nicht genug Bilder machen.

Beide Sehenswürdigkeiten, so unterschiedlich sie sind, sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer in der Hauptsaison zwischen Juni und September herkommt kann trotzdem etwas Einsamkeit finden. Der Trick ist, antizyklisch zu gehen und früh morgens oder am Abend die Gegen zu erkunden. Den Schlaf kann man mittags prima nachholen und alle anderen dürfen sich in der Hitze durch die Menge kämpfen.

Habt ihr einen oder beide Orte schon besichtigt? Und habt ihr vielleicht noch weitere Tipps? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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  1. Pingback: Der perfekte Roadtrip durch die Bretagne |

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